Der nach seinem Projektnamen auch als Gutenberg-Editor bekannte Block-Editor löste mit WordPress 5.0 im Dezember 2018 den bisherigen klassischen Editor als Standard ab. Jeder Bestandteil eines Beitrags vom Absatz über die Überschrift bis zur Bildergalerie bildet darin einen eigenen Block, der sich einfügen, verschieben und umgestalten lässt. Auf diese Weise entstehen in WordPress Layouts mit Bildern, Videos und Spalten, für die zuvor Shortcodes oder eigenes HTML nötig waren.
Entwickelt wird der Editor im Plugin Gutenberg, dessen ausgereifte Funktionen mit jeder neuen WordPress-Version in den Kern einfließen, sodass der reguläre Betrieb ohne dieses Plugin auskommt. Das Projekt folgt einem Plan in vier Phasen, die das Bearbeiten, die Gestaltung der gesamten Website, die Zusammenarbeit und die Mehrsprachigkeit umfassen. Nach der Roadmap auf wordpress.org läuft derzeit die dritte Phase, die gemeinsames Bearbeiten in Echtzeit und reibungslosere Abläufe beim Veröffentlichen bringen soll.
Arbeitsfläche und Speicherung der Blöcke
Beim Anlegen eines Beitrags oder einer Seite öffnet sich der Editor standardmäßig im Vollbildmodus und gliedert sich in drei Bereiche, nämlich die obere Werkzeugleiste, die Seitenleiste mit den Einstellungen für Beitrag und Block sowie die eigentliche Inhaltsfläche. Über den Block-Inserter mit dem Pluszeichen in der Werkzeugleiste fügen Sie Blöcke, Muster oder Medien ein, und alternativ genügt im Text ein Schrägstrich mit dem Namen des gewünschten Blocks. Die Dokumentübersicht zeigt in der Listenansicht alle Blöcke der Seite und in der Gliederung unter anderem Wortzahl, Lesezeit und die Hierarchie der Überschriften. Mit Strg+K unter Windows oder Cmd+K auf dem Mac öffnet sich zudem die Befehlspalette, über die sich Funktionen direkt aufrufen lassen.
Blöcke lassen sich ineinander verschachteln und in andere Blocktypen umwandeln, sodass aus einem Absatz mit wenigen Klicks eine Überschrift wird. Gespeichert wird jeder Block als gewöhnliches HTML, das zu Beginn und am Ende von einem Kommentar wie <!-- wp:paragraph --> eingefasst ist. Einstellungen und Attribute stehen als JSON-Objekt innerhalb dieses Kommentars, und Blöcke aus Erweiterungen tragen zusätzlich einen eigenen Namensraum. Beim Öffnen liest der Editor dieses Markup aus und stellt daraus die bearbeitbare Fassung wieder her, während der Code-Editor im Menü mit den drei Punkten den gesamten Beitrag als HTML anzeigt.
Muster und synchronisierte Muster
Die im Englischen als Patterns und im deutschen Menü des Site Editors als Vorlagen bezeichneten Muster sind vorbereitete Gruppen aus mehreren Blöcken, die Sie über den Block-Inserter einfügen und anschließend mit eigenen Inhalten füllen. Seit WordPress 6.3 lassen sich auch eigene Muster anlegen, indem Sie die gewünschten Blöcke markieren und im Menü mit den drei Punkten daraus ein Muster erstellen. Bei aktivierter Synchronisierung verhält sich ein solches Muster wie die früheren wiederverwendbaren Blöcke, denn jede Änderung wirkt sich auf alle Stellen aus, an denen es eingesetzt ist. Ohne Synchronisierung wird das eingefügte Muster dagegen zu einer eigenständigen Gruppe von Blöcken, die vom Original losgelöst ist.
Nach der aktuellen Dokumentation öffnen sich eingefügte Muster zunächst in einem Modus, der allein Texte und Bilder zur Bearbeitung freigibt und das Layout so vor versehentlichen Änderungen schützt. Volle Bearbeitungsmöglichkeiten für die einzelnen Blöcke erhalten Sie über die Schaltfläche zum Bearbeiten des Musters in den Blockeinstellungen. Weitere Muster stellt das Pattern Directory auf wordpress.org bereit, aus dem Sie ein Muster kopieren und im Editor einfügen, wobei spätere Änderungen im Verzeichnis ohne Auswirkung auf Ihre bereits gestalteten Seiten bleiben.
Site Editor und Full Site Editing
Mit dem Full Site Editing, das 2021 im Gutenberg-Plugin vorgestellt wurde und mit WordPress 5.9 Anfang 2022 in den Kern gelangte, reicht die Arbeit mit Blöcken über den einzelnen Beitrag hinaus. Im Site Editor gestalten Sie Kopfbereich, Fußbereich und alle Abschnitte dazwischen mit denselben Blöcken wie im Beitragseditor, ergänzt um eigene Theme-Blöcke wie den Navigations-Block. Voraussetzung ist ein Block-Theme, also ein Theme, das sämtliche Teile der Website einschließlich der Menüs aus Blöcken aufbaut. Nach dessen Aktivierung erreichen Sie den Site Editor unter Design › Editor.
Der Site Editor bietet Bereiche für Identität, Stile, Seiten, Navigation, Muster und Templates. Templates beschreiben den Aufbau einer ganzen Seitenart, während Template-Teile wiederkehrende Bereiche wie Header und Footer abbilden, weshalb eine Änderung am Header auf allen Seiten mit diesem Template sichtbar wird. Vor dem Speichern listet der Editor deshalb sämtliche geänderten Templates, Template-Teile, Menüs und synchronisierten Muster auf, damit Sie einzelne Änderungen gezielt übernehmen können. Über Werkzeuge und Exportieren lässt sich das Theme samt angepassten Templates und Stilen als ZIP-Datei herunterladen, am besten jeweils vor größeren Umbauten.
Classic Editor als Alternative
Der bisherige Editor bleibt über das offizielle Plugin Classic Editor verfügbar, das vom WordPress-Team gepflegt wird und den früheren Bearbeitungsbildschirm samt älterer Meta-Boxen zurückbringt. Benötigt wird es vor allem für Erweiterungen, die diesen Bildschirm ergänzen oder auf dem alten Editor aufbauen. Unter Einstellungen › Schreiben legen Administratoren den Standard-Editor für alle Benutzer fest und können ihnen erlauben, je Beitrag selbst zu wählen. Jeder Beitrag öffnet sich anschließend im zuletzt verwendeten Editor und damit unabhängig von der Person, die ihn zuvor bearbeitet hat.
Laut Pluginbeschreibung wird der Classic Editor bis 2024 oder so lange wie nötig vollständig unterstützt, und die Version 1.7.0 vom 28. Mai 2026 ist bis WordPress 7.0.6 getestet. Für Inhalte im Stil des alten Editors steht im Block-Editor außerdem der Classic-Block bereit, der wie der klassische Editor aussieht und seinen Inhalt auf Wunsch in einzelne Blöcke umwandelt. Am besten erproben Sie eine solche Umwandlung zuerst auf einer Staging-Umgebung und vergleichen das Ergebnis mit der veröffentlichten Seite. Mit dem Update auf WordPress 7.0 erhielt der Editor zudem einen responsiven Bearbeitungsmodus und neue Blöcke für Überschriften, Breadcrumbs und Icons.